Nachdem ich ein paar Tage in andere IT- und Consulting-Projekte abgetaucht war und jetzt im Sommer selbst auch keine Azure-, Entra- oder Microsoft-365-Schulung auf dem Plan hatte, fühlt sich die Rückkehr ins Entra Admin Center ein wenig an, wie die Heimkehr aus dem Urlaub. Man öffnet das Portal, klickt sich durch die gewohnte Navigation und plötzlich tauchen Menüpunkte auf, die dort gefühlt gestern noch nicht existiert haben.

Zwischen den vertrauten Bereichen finden sich plötzlich Einträge wie Mandantengovernance, Delegierte Adminpartner, Sicherung & Wiederherstellung, Kontowiederherstellung oder Zertifizierungsstellen. Die erste Reaktion war vermutlich dieselbe, die viele Administratoren kennen:

„Ist das neu? Oder habe ich es bisher einfach übersehen?“ Die Antwort lautet: beides.

Microsoft hat in den vergangenen Monaten nicht nur neue Funktionen veröffentlicht, sondern auch die Navigation des Entra Admin Centers mehrfach umstrukturiert. Dadurch rücken Themen in den Vordergrund, die bisher eher versteckt waren oder ausschließlich in speziellen Szenarien zum Einsatz kamen.

Der Trend hinter den neuen Menüpunkten

Wer genauer hinsieht, erkennt aber schnell ein Muster.

Die meisten Neuerungen drehen sich mittlerweile um drei große Themen:

  • Verwaltung mehrerer Tenants
  • Wiederherstellung und Resilienz
  • Moderne Authentifizierung ohne klassische Passwörter

Vor rund zwei Jahren stand Entra ID noch hauptsächlich für Identitäten, Gruppen und Conditional Access. Heute entwickelt sich die Plattform immer stärker zu einer zentralen Governance- und Sicherheitslösung für komplette Microsoft-Cloud-Landschaften.

Genau das spiegelt sich inzwischen auch in der Menüstruktur wider.

Wenn ein Tenant nicht mehr ausreicht

Besonders auffällig ist der Bereich „Mandantengovernance“. Dieser Bereich gehört zu den echten Neuzugängen der letzten Monate und basiert auf Microsofts neuer Initiative zur mandantenübergreifenden Verwaltung. Microsoft bezeichnet dies als „Cross-Tenant Delegated Administration“. Administratoren sollen künftig mehrere Entra-Tenants zentral verwalten können, ohne dafür Gastkonten oder lokale Administratorkonten in jedem einzelnen Tenant anlegen zu müssen. Stattdessen entstehen Governance-Beziehungen zwischen den betroffenen Mandanten.

Interessant ist dabei die zeitliche Einordnung. Während das Thema GDAP (Granular Delegated Admin Privileges) bereits seit mehreren Jahren insbesondere im CSP-Umfeld existiert, begann Microsoft erst 2025 damit, daraus eine allgemeine Tenant-Governance-Lösung für Entra zu entwickeln. Im Laufe des Jahres 2026 wurde diese Funktion deutlich sichtbarer in das Portal integriert, Aber derzeit noch Vorschau-Status.

Die neue Funktion "Verwaltete Mandanten"
Die neue Funktion „Verwaltete Mandanten“

Damit erklärt sich gleichzeitig ein weiterer neuer Menüpunkt.

Was sind „Delegierte Adminpartner“ ?

Der Eintrag „Delegierte Adminpartner“ wirkt zunächst vertraut, steckt aber heute in einem deutlich größeren Zusammenhang.

Früher beschäftigten sich vor allem CSP-Partner mit delegierten Berechtigungen. Heute bildet dieselbe Technologie die Basis für moderne Tenant-Governance-Szenarien. Die bekannten GDAP-Berechtigungen werden zunehmend zum Fundament einer mandantenübergreifenden Administration. Microsoft investiert hier sichtbar in den Ausbau von Least-Privilege-Konzepten und zentraler Verwaltung. 

Für MSPs und größere Unternehmensgruppen dürfte dieser Bereich in den kommenden Jahren deutlich wichtiger werden als bisher.

Das Ende der Aussage „Entra hat kein Backup“

Mindestens genauso spannend ist der neue Bereich „Sicherung & Wiederherstellung“. Lange Zeit gehörte es zu den Standardantworten vieler Trainer und Architekten, dass Microsoft Entra ID keine native Backup-Lösung besitzt. Wer versehentlich eine Richtlinie, eine Anwendung oder eine Gruppe beschädigte, musste auf Drittanbieterprodukte zurückgreifen. Diese haben sich über die Jahre, in denen Microsoft hier sichtbar hinterher hinkte auch gut etabliert, wie z. B. „Veeam Data Cloud for Entra ID“ oder „Veeam Data Cloud: SaaS Backup and Recovery for Microsoft 365. Im Azure Marketplace finden sich Übrigens zahlreiche passende Lösungen, als SaaS-, PaaS- oder IaaS-Angebot.

Das Veeam-Portfolio im Azure-Marketplace.
Das Veeam-Portfolio im Azure-Marketplace.

Ich selbst nutze übrigens zu diesem Zweck seit vielen Jahren „Active Backup for Microsoft 365“, das direkt auf meine Synology-Rackstation gehostet ist und sich einfach aus dem Paketzentrum installieren lässt.

Diese Aussage wird inzwischen zunehmend ungenau.

Mit Microsoft Entra Backup & Recovery führt Microsoft native Sicherungs- und Wiederherstellungsfunktionen für Verzeichnisobjekte ein. Gesichert werden dabei unter anderem Benutzer, Gruppen, Anwendungen, Dienstprinzipale und Richtlinien. Ziel ist nicht die Wiederherstellung eines kompletten Tenants, sondern das gezielte Zurücksetzen von Identitätsobjekten auf einen früheren Zustand. [cloudkaffee.ch]

Die Funktion wurde schrittweise während der Jahre 2025 und 2026 eingeführt und erscheint inzwischen in vielen Tenants direkt in der Navigation. [cloudkaffee.ch]

Für Administratoren, die bislang auf Lösungen von Veeam, Quest oder Semperis verwiesen haben, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung.

Versteckte Themen werden sichtbar

Nicht alle neuen Menüpunkte stehen allerdings für neue Produkte.

Kontowiederherstellung gehört eher in die Kategorie „neu sortiert“.

Die Funktionen dahinter existieren schon seit Jahren. Im Wesentlichen handelt es sich um die bekannten Möglichkeiten zur Passwortzurücksetzung, Benutzerwiederherstellung und Selbstbedienungsfunktionen für Anwender. Microsoft hat diese Themen zuletzt stärker unter dem Gesichtspunkt der Account Recovery zusammengefasst. Allerdings ist dazu Entra ID, „Verified ID“ erforderlich.

Neue Self Service Optionen für Kontowiederherstellung.
Neue Self Service Optionen für Kontowiederherstellung.

Ähnlich verhält es sich mit dem Menüpunkt „Mobilität“. Wer schon länger mit Intune arbeitet, erkennt dort schnell den ehemaligen Bereich Mobility (MDM and MAM) wieder. Wirklich neu ist hier wenig; die Funktionalität existiert seit vielen Jahren.

Zertifikate statt Kennwörter

Etwas interessanter wird es beim Menüpunkt „Zertifizierungsstellen“. Während Passkeys und FIDO2 aktuell viel Aufmerksamkeit erhalten, investiert Microsoft parallel weiter in die zertifikatsbasierte Authentifizierung. Unternehmen mit Smartcards, PKI-Strukturen oder speziellen Compliance-Anforderungen finden hier die notwendigen Verwaltungsfunktionen für vertrauenswürdige Zertifizierungsstellen und Certificate-Based Authentication.

Auch hier zeigt sich ein klarer Trend: Microsoft möchte Identitäten zunehmend von klassischen Kennwörtern lösen und alternative Authentifizierungsverfahren stärker in den Mittelpunkt rücken.

Hier das ganze noch Mal tabellarisch:

Menüeintrag (DE) Englisch Was ist das? / Zweck Wann eingeführt / Relevanz
Delegierte Adminpartner Delegated Admin Partners Verwaltung von CSP-Partnern und Delegated Admin Rights (GDAP). Zentrale Übersicht und Verwaltung der Partner-Zugriffe. Stark ausgebaut 2024–2025
Mandantengovernance Tenant Governance Zentrale Governance für Multi-Tenant-Umgebungen (Cross-Tenant Access, B2B, External Identities). 2025 stark erweitert
Kontowiederherstellung Account Recovery Self-Service Account Recovery (z. B. bei verlorenen Authentifizierungsmethoden). Erweiterte Recovery-Optionen. 2025/2026
Zertifizierungsstellen Certification Authorities Verwaltung von Certificate Authorities (CA) für Entra ID (z. B. für S/MIME, Client-Zertifikate). Neuere Integration
Sicherung & Wiederherstellung Backup & Restore Backup und Restore von Entra ID Objekten (User, Gruppen, Policies etc.). 2025 GA
Mobilität Mobility (ehem. MDM) Mobile Device Management (Intune Mobility). Der alte MDM-Bereich, jetzt stärker integriert. Umbenannt/überarbeitet

Fazit

Kehrt man nach Wochen oder auch nur ein paar Tagen Abstinenz ins Entra Admin Center zurückkehrt, entsteht schnell der Eindruck, Microsoft habe die halbe Navigation umgebaut. Ganz falsch ist das nicht. Tatsächlich spiegeln die neuen Menüpunkte sehr gut wider, wohin sich Microsoft Entra entwickelt: Weg vom reinen Verzeichnisdienst und hin zu einer Plattform für Governance, Resilienz und mandantenübergreifende Verwaltung.

Während Bereiche wie „Mobilität“ oder „Kontowiederherstellung“ hauptsächlich eine neue Platzierung im Portal erhalten haben, markieren „Mandantengovernance“ und „Sicherung & Wiederherstellung“ einen echten strategischen Ausbau der Plattform.

Gerade für Trainer, Berater und Administratoren lohnt es sich deshalb, bei einem Blick auf die neue Navigation nicht nur die Oberfläche zu betrachten. Hinter einigen der neuen Menüpunkte verbirgt sich ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, welche Schwerpunkte Microsoft in den kommenden Jahren im Bereich Identität und Sicherheit setzen wird.

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