„Copilot“ ist bei Microsoft längst kein einzelnes Produkt mehr, sondern der Name für eine ganze Familie unterschiedlicher Werkzeuge mit unterschiedlichen Zielgruppen, unterschiedlichen zugrunde liegenden Modellen und, besonders wichtig, unterschiedlichen Abrechnungsmodellen. Dieser Artikel bringt Ordnung in die Familie: was jedes Produkt eigentlich tut, was es kostet, was in einer bestehenden Microsoft-365-Copilot-Lizenz bereits enthalten ist und was nicht.
Ich habe Artikel dieser Art, also das Einordnen von Lizenz und Abrechnungsmodellen der Copilot Produktfamilie, in den vergangenen Jahren hier im Blog mehrere Male verfasst. Ich verweise hier bewusst nicht auf die alten Versionen. Schaut man nämlich mit den heutigen Informationsstand auf die damals verbreiteten Informationen, sind diese oft nicht mehr gültig oder falsch, weil nichts ist so beständig ist wie Veränderung, insbesondere im KI-Zeitalter und nicht nur bei Microsoft.
Nahezu alle großen KI-Anbieter haben inzwischen auf eine nutzungsbasierte Abrechnung von Token umgestellt. Dies nur schon mal als Vorabinformation. Zwei Folgeartikel zu diesem hier werden sich der Kostenvorhersage und der Kostenoptimierung in Bezug auf verschiedene Use Cases widmen. Doch machen wir uns zunächst ein Bild über die Produktfamilie.
Wer seit dem Sommer nicht mehr genau mitgezählt hat, kann inzwischen leicht den Überblick verlieren: „Copilot“ ist bei Microsoft längst kein einzelnes Produkt mehr, sondern der Name für eine ganze Familie unterschiedlicher Werkzeuge mit unterschiedlichen Zielgruppen, unterschiedlichen zugrunde liegenden Modellen und, besonders wichtig, unterschiedlichen Abrechnungsmodellen.
Fünf/Sechs Produkte, ein Name
Auf den ersten Blick wirkt „Copilot“ wie eine einzige Marke. Tatsächlich stehen dahinter mittlerweile sechs eigenständige Produkte, die zwar denselben Namen tragen, aber unterschiedliche Aufgaben erfüllen und getrennt lizenziert beziehungsweise abgerechnet werden. Darüber hinaus weisen einzelnen Produkte jeweils völlig unterschiedlichen Entwicklungshistorien auf und arbeiten natürlich auch mit ganz verschiedenen KI-Modellen. Über die Zählweise, ob es fünf oder sechs Produkte sind, lässt sich streiten, denn Copilot Cowork gehört natürlich eigentlich zum M365-Copilot, verfügt aber über ein eigenes Abrechnungsmodelle. Zunächst eine Übersicht.
| Produkt | Zweck | Grundlage / Einordnung |
| Copilot Chat | Kostenloser Frage-Antwort-Assistent mit Web-Grounding, bei Anmeldung zusätzlich mit Zugriff auf eigene Tenant-Daten | In Microsoft 365 und als eigenständige App enthalten |
| Microsoft 365 Copilot („Copilot Enterprise“) | KI-Assistent direkt in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams | Kostenpflichtige Zusatzlizenz zu bestehenden M365-Plänen |
| Copilot Studio | Plattform zum Bauen eigener Agents und Chatbots | Nachfolger von Power Virtual Agents |
| GitHub Copilot | KI-Pair-Programmer direkt in der Entwicklungsumgebung | Eigenständiges Produkt mit eigener Lizenz, unabhängig von M365 |
| Security Copilot | KI-Assistent für SOC- und Security-Teams | Eigenes, verbrauchsbasiertes Abrechnungsmodell (SCU) |
| Copilot Cowork | Neu seit Juni 2026 (GA): autonome, mehrstufige Agents für Büroaufgaben, die eigenständig über mehrere Schritte hinweg arbeiten | Eigenes Credits-Kontingent, Ausgabenrichtlinie zwingend erforderlich |
Was das Ganze kostet
Die Preismodelle unterscheiden sich deutlich – von der klassischen Seat-Lzenz über Prepaid-Pakete bis zur reinen Pay-as-you-go-Abrechnung nach Verbrauch.
| Produkt / Plan | Preis | Abrechnungsart |
| Copilot Chat (kostenlos) | 0 € | Kostenlos, mit Nutzungsgrenzen |
| Microsoft 365 Copilot | 30 $ / Nutzer / Monat | Feste Zusatzlizenz |
| Copilot Studio – Prepaid-Paket | ca. 200 $ / Monat für 25.000 Credits | Vorausbezahltes Kontingent |
| Copilot Studio – Pay-as-you-go | ≈ 0,01 $ pro Credit | Nutzungsbasiert nach Verbrauch |
| GitHub Copilot Business | 19 $ / Nutzer / Monat | Sitzlizenz + AI Credits nutzungsbasiert (seit 1.6.2026) |
| GitHub Copilot Enterprise | 39 $ / Nutzer / Monat | Sitzlizenz + AI Credits nutzungsbasiert |
| Security Copilot | 6 $ pro SCU (Pay-as-you-go) | Nutzungsbasiert; 400 SCU/Monat je 1.000 Lizenzen inklusive bei voller E5/E7-Suite |
| Copilot Cowork | Eigenes Credits-Kontingent | Nutzungsbasiert ab der ersten Nutzung, Ausgabenrichtlinie zwingend |
Alle Preise sind Microsoft-, beziehungsweise Anbieter-Listenpreise in US-Dollar und können je nach Vertrag, Region oder Volumenrabatt abweichen.
Was steckt wirklich in der Copilot-Enterprise/Business-Lizenz?
Die häufigste Verwirrung entsteht an genau hier: Was deckt die vorhandene M365 Copilot-Lizenz eigentlich ab und wo beginnt eine separate, nutzungsbasierte Abrechnung?
Kostenlos in der Copilot-Lizenz enthalten (zero-rated) sind:
- Classic Answers – klassische, deterministische Antworten auf Basis hinterlegter Inhalte
- Generative Answers – generative, KI-gestützte Antworten
- Microsoft-Graph-Tenant-Grounding für Agents innerhalb von Copilot Chat, Teams und SharePoint
Separat abgerechnet wird dagegen alles, was über diese Grundnutzung hinausgeht.
Copilot Cowork hingegen zieht von der ersten Nutzung an ein eigenes Credits-Kontingent. Hierfür müssen Sie zwingend eine „Ausgabenrichtlinie“ einzurichten, denn es gibt keinen kostenlosen Einstiegspunkt.

Bei Copilot Chat selbst bleibt reine Frage-Antwort-Nutzung mit Grounding auf die eigenen Graph-Daten zero-rated. Nutzungsbasiert wird es erst, sobald ein Agent – vorgefertigt oder selbst gebaut – innerhalb von Copilot Chat auf SharePoint-Inhalte oder Microsoft-Graph-Connector-Inhalte zugreift, also auf per Connector angebundene externe oder speziell erschlossene Datenquellen. Genau für diesen einen Anwendungsfall ist eine „Abrechnungsrichtlinie“ (nicht das gleiche, wie eine „Ausgabenrichtlinie“ für Copilot Cowork) erforderlich, obwohl die Enterprise-Lizenz vorhanden ist. Ein automatisches Freikontingent gibt es dafür nicht.

Für Copilot Studio können Sie Prepaid-Pakete kaufen (25.000 Credits für ca. 200 $/Monat) und verbrauchen diese zuerst, mit automatischem Übergang in die Pay-as-you-go-Abrechnung danach.
Der Security Copilot hingegen hängt sein Freikontingent an die volle Microsoft-365-E5/E7-Suite und nicht an die alleinstehende Copilot-Zusatzlizenz.
Und GitHub Copilot schließlich ist ein komplett eigenständiges Produkt mit eigener Lizenz.
Die Versionsgeschichte von Copilot Studio
Wer sich seit ein paar Jahren mit den Microsoft-KI-Produkten beschäftigt, erkennt in Copilot Studio einen alten Bekannten unter neuem Namen: Das Produkt startete 2021 als „Power Virtual Agents“ und wurde im November 2023 in „Copilot Studio“ umbenannt. Wichtiger als der Namenswechsel ist die technische Weiterentwicklung dahinter. Die „Classic Orchestration“ (regelbasierte, vorhersehbare Gesprächsführung) steht seitdem der neueren „Generative Orchestration“ (freiere, KI-gesteuerte Gesprächsführung) gegenüber. Wer sich noch an „V1“ und „V2“ erinnert, meint in der Regel genau diesen Unterschied.
Auch GitHub-Copilot Token-basiert
Auch bei GitHub Copilot gab es eine wichtige Änderung: Zum 1. Juni 2026 wurde das bisherige System fester „Premium Request Units“ durch tokenbasierte „GitHub AI Credits“ ersetzt. Die Seat-Preise selbst (19 $ Business, 39 $ Enterprise) blieben davon unberührt. Geändert hat sich nur, wie zusätzlicher Verbrauch über das inkludierte Kontingent hinaus gemessen und abgerechnet wird.
Fazit
Die Copilot-Familie ist inzwischen breit gefächert und jedes Mitglied hat sein eigenes Preismodell. Wer den Überblick behalten will, sollte drei Dinge im Kopf behalten:
Erstens deckt die M365-Copilot-Lizenz nur die Kernnutzung ab, sobald Agents auf SharePoint- oder Connector-Inhalte zugreifen oder Copilot Cowork genutzt wird, greift eine separate, nutzungsbasierte Abrechnung.
Zweitens ist „Credits“ inzwischen die gemeinsame Währung über mehrere Produkte hinweg (Copilot Studio, GitHub Copilot, teilweise Copilot Cowork), aber nicht immer dieselbe Währung mit derselben Umrechnung.
Und drittens lohnt sich vor der Aktivierung eines neuen Copilot-Produkts immer ein kurzer Blick ins Cost-Management des Microsoft-365-Admin-Centers, um Ausgabenrichtlinien realistisch statt hypothetisch einzurichten.
